Störungsbilder

Affektive Störungen – Bipolare Störung, Burnout, Depression

 

Biopolare Maniker haben in der Regel ein übersteigertes Selbstbewusstsein. Sie reden ohne Punkt und Komma, sind oft unkonzentriert und sprunghaft. Sie sind oft sehr leistungsfähig, entwickeln eine rastlose Betriebsamkeit und unternehmen risikoreiche berufliche oder private Aktivitäten. Ernest Hemingway, Hermann Hesse oder Ludwig van Beethoven sollen eine bipolare Erkrankung gehabt haben. Es gibt aber auch Maniker, die nicht diesem Bild entsprechen. Sie sind häufig gereizt und explosiv in der Stimmung, nicht selten auch ungehalten und aggressiv gegenüber ihren Mitmenschen. Phasen von Manie und Depression wechseln sich in der Regel ab.

 

Burnout oder gefühlsmäßiges ausgebrannt sein (Erschöpfungssyndrom) kann als Vorstufe zur Depression gesehen werden. Der Druck, stets auf die Erwartungen anderer reagieren zu müssen, wird zum Dauerstress. Vorherige Stärken der Betroffenen, wie Leidenschaft für die Sache, Begeisterungsfähigkeit und Engagement, werden zur Schwäche. Die ehemalige Belastbarkeit schwindet und sie machen immer häufiger Fehler und arbeiten ineffizient. Der gesamte Alltag, die sozialen Beziehungen werden vernachlässigt (Gefühllosigkeit und Interessenlosigkeit stellen sich ein) und es gibt kaum noch unbeschwerte Zeiten. Oftmals kommen auch noch körperliche Beschwerden und massive Schlafstörungen hinzu.

 

Menschen mit einer Depression fühlen sich leer und niedergeschlagen. Sie leiden unter Schlafstörungen oder Konzentrationsschwäche, haben oft nicht mehr die Kraft, den Alltag und die anstehenden Arbeitsaufgaben im Job zu bewältigen. Nicht selten zeigen sich auch körperliche Beschwerden, zum Beispiel Kopf-, Rücken- oder Magenschmerzen. Typisch für eine Depression ist die große Antriebslosigkeit des Patienten, die von einer Freud- und Interessenlosigkeit begleitet wird. Dinge und Themenbereiche, die frühe Freude bereitet hatten, sind in einer Depression nicht mehr von Bedeutung. Dazu kommt in einigen Fällen noch ein Gefühl der Gefühllosigkeit, so dass Betroffene das Gefühl haben, früher geliebte Menschen (z.B. ihre eigenen Kinder) nicht mehr in den Arm nehmen zu können. Alexander der Große, Marlon Brando oder Jean-Claude van Damme sollen eine Depression gehabt haben.

 

Ratgeber Manisch-depressive Erkrankung - Informationen für Menschen mit einer bipolaren Störung und deren Angehörige, von T.D. Meyer , M. Hautzinger, ISBN: 978-3-8017-2519-8, Hogrefe, 2013

 

Ratgeber Depression- Informationen für Betroffene und Angehörige von M. Hautzinger, ISBN: 978-3-8017-1879-4, Hogrefe, 2006

 

 

Angststörungen

(Phobien, Soziale Phobien, Agoraphobie, Panikstörung)

 

Angststörung ist der Oberbegriff für eine Gruppe von Erkrankungen, bei denen eine Person starke Angstreaktionen zeigt, obwohl es dafür keinen objektiven Grund gibt. Bei der Angststörung nimmt man eine Bedrohung wahr, die objektiv nicht vorhanden ist. Hierbei kann es sich um unterschiedliche Ausprägungen zu handeln: Bei einer Panikstörung handelt es sich um plötzlich auftretende Panikattacken, die mit einem starken Angstgefühl (Angst ohnmächtig zu werden, Angst zu sterben) und körperlichen Reaktionen (Zittern, Schwitzen, Herzrasen) verbunden sind. Phobien äußern sich in starker Angst vor bestimmten Situationen und Objekten, obwohl der Betroffene weiß, dass diese Angst unbegründet ist. Zum Beispiel meiden Agoraphobiker bestimmte Orte oder Situationen wie etwa Menschenmengen oder auch Reisen bzw. überhaupt alleine aus dem Haus zu gehen. Personen mit Agoraphobie fürchten, während einer Panik nicht flüchten zu können oder sie haben Angst, im Notfall keine Hilfe zu bekommen. Sozialphobiker bzw. Menschen mit einer sozialen Phobie haben eine übertriebene Angst vor anderen Menschen (z.B. im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehen oder sich zu blamieren). Es gibt aber auch spezifische Phobien, hierzu zählen Ängste vor bestimmten Objekten oder Situationen wie z.B. vor Spinnen, Hunden, Blut/Ansteckung geschlossenen Räumen/Aufzügen oder Prüfungen. Bei einer Generalisierten Angststörung hat der Betroffene das Gefühl der ständigen Besorgnis und Angst, dass ihm oder seinen Lieben etwas Fürchterliches zustoßen könnte. Wenn eine Angststörung das Leben des Betroffenen stark beeinträchtigen, d.h. dass sie ihrer Arbeit nicht mehr nachgehen oder sich aus Angst nicht – oder nur in Begleitung – in bestimmte Situationen begeben, sollte eine Behandlung erfolgen.

 

Ratgeber Panikstörung und Agoraphobie - Informationen für Betroffene und Angehörige von N. Heinrichs, ISBN: 978-3-8017-1986-9, Hogrefe, 2007

 

Ratgeber Soziale Phobie  - Informationen für Betroffene und Angehörige von K. v. Consbruch , U. Stangier, ISBN: 978-3-8017-2092-6, Hogrefe, 2010

 

Ratgeber Prüfungsangst  - Informationen für Betroffene und Angehörige von L. Fehm , T. Fydrich, ISBN: 978-3-8017-2048-3, Hogrefe, 2013

 

Ratgeber Generalisierte Angststörung - Informationen für Betroffene und Angehörige von J. Hoyer , K. Beesdo , E.S. Becker, ISBN: 978-3-8017-2030-8, Hogrefe, 2007

 

 

Posttraumatische Belastungsstörung

 

Eine Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) entsteht durch ein traumatisches Erlebnis, dass jeden Menschen große Probleme in der Verarbeitung bereiten würde, zum Beispiel einen Überfall, eine Vergewaltigung, schwere Unfälle, Naturkatastrophen, Krieg, usw. Die Folge-Symptome eines Traumas beeinträchtigen die Betroffenen oft im Alltag und in sozialen Beziehungen. Solche eine PTBS kann aber auch durch ein sogenanntes kumuliertes Trauma entstehen, zum Beispiel bei körperlichem und/oder sexuellem Missbrauch über einen längeren Zeitraum hinweg. Merkmale dieser Störung sind u.a. Angstzustände, wiederkehrende Bilder, körperliche Schmerzen für die i.d.R. keine Ursache gefunden werden kann, Schlafstörungen und Depression.

 

Ratgeber Trauma und Posttraumatische Belastungsstörung - Informationen für Betroffene und Angehörige, von T. Ehring, A. Ehlers, ISBN: 978-3-8017-1839-8, Hogrefe, 2012

 

 

Persönlichkeitsstörungen

 

Menschen mit einer Persönlichkeitsstörung haben in der Regel immer wieder die gleichen Probleme mit ihrer Umwelt bzw. in ihren sozialen Beziehungen. Es erscheint ihnen oft so, als ob sie nicht richtig in diese Welt passen, weil sie zum Beispiel immer wieder anecken oder aber von anderen ausgenutzt werden. Persönlichkeitsstörungen sind tief verwurzelte, anhaltende Verhaltensmuster, die sich nur durch intensive Bemühungen und großen persönlichen Einsatz zum eigenen Wohlergehen verändern lassen. 

Eine für die Betroffenen besonders anstrengende Persönlichkeitsstörung ist die emotional-instabile Persönlichkeitsstörung vom Borderline-Typ. Vorrangige Merkmale sind ein innerer Anspannungszustand, welcher manchmal nur durch selbstverletzendes Verhalten verringert werden kann; ein Gefühlswirrwarr (Stimmungsschwankungen) mit starker Selbstabwertung und lebensmüden Gedanken. Die Betroffenen haben meist große Probleme gute Beziehungen aufrecht zu halten und wissen von sich selbst nicht wie sie sich beschreiben sollten, wenn sie gefragt werden wer/wie sie sind.

 

Ratgeber Borderline-Störung - Informationen für Betroffene und Angehörige von M. Bohus, M. Reicherzer, ISBN: 978-3-8017-1790-2, Hogrefe, 2012

 

Der ganz normale Wahnsinn, Vom Umgang mit schwierigen Menschen von F. Lelord, Ch. Anré, Aufbau Vlg. 2008

 

 

Zwangsstörungen

 

Betroffene von Zwangsstörungen haben sich aufdrängende Ideen, Gedanken oder Impulse, die den Menschen immer wieder  beschäftigen. Sie sind fast immer bedrohlich, teilweise quälend. Der Versuch Widerstand zu leisten oder die Gedanken zu verdrängen ist meist erfolglos. Zwangshandlungen oder -rituale sind immer gleiche Verhaltensweisen, die ständig wiederholt werden. Die Betroffenen versuchen immer wieder erfolglos dagegen anzugehen. Angst oder Anspannung ist meist ständig vorhanden. Werden die Handlungen doch einmal unterdrückt, verstärken sich die Gefühle von Angst und Anspannung enorm. 

 

Ratgeber Zwangsstörungen - Informationen für Betroffene und Angehörige von H. Reinecker , G. Wewetzer , C. Wewetzer, ISBN: 978-3-8017-1933-3, Hogrefe, 2006